Politische Reise des Landesvorstandes der Senioren-Union in den Kosovo
Die Vorstellung kommunalpolitischer Projekte durch die Bürgermeister Muharremaj aus Suhareke bzw. Lladrovci aus Drenas, sowie Beispiele für industrielle „Vorzeigeobjekte“ z.B. des Weinguts Agrokosova und des Mineralwasserproduzenten „Spirit of Drini“ in Prizren gaben zusätzliche Einblicke in die Arbeit vor Ort.
Das von der Stadt Fellbach in Suhareke initiierte sog. „Fellbach-Haus“ bietet Kindern und Jugendlichen im Kosovo konkrete Hilfestellungen in den Bereichen Bildung, Versöhnungsarbeit, Friedenspädagogik und Berufsförderung. Dort und in Gesprächsrunden mit Schülerinnen und Schülern im Loyola-Gymnasium in Prizren und im Skenderbej Gymnasium in Drenas schilderten die jungen Schulabsolventen ihre Zukunftsvorstellungen und -wünsche. Vorherrschend waren Reise- und Studienmöglichkeiten in Europa, speziell in Deutschland. Die derzeit geltenden Visabestimmungen stellen dabei ein großes Hindernis dar. Die Wünsche, hier zeitnah Änderungen und Erleichterungen zu erreichen, zogen sich durch alle Gespräche.
Bei Besichtigungen und Gesprächen in der katholischen Kirche St. Abraham, der Moschee in Drenas und in dem aus dem Mittelalter stammenden serbisch-orthodoxen Kloster Visoki Decani wurden die Bemühungen deutlich, über Grenzen von Volkszugehörigkeit und Religion hinweg Lösungen für ein zukünftiges friedliches und nachhaltiges Miteinander zu finden. Bei diesen und vielen anderen Anlässen stellte sich heraus, dass in allen Schichten der Bevölkerung – auch bei den jüngeren - der Krieg mit seinen schrecklichen Erlebnissen noch sehr „in den Köpfen“ verankert ist.
Unterstrichen und besonders offenkundig wurden die Probleme beim Besuch in Mitrovica, wo eine gesperrte und von militärischen Kräften der KFOR überwachte Straßenbrücke Wohnbezirke mit Bevölkerung unterschiedlicher Volkszugehörigkeit voneinander trennt.
Auf Anerkennung bei der deutschen Delegation stießen die durchaus erkennbaren Ansätze, die immer noch weit verbreiteten gravierenden Vorbehalte und Aversionen der mehrheitlich ethnisch albanischen Bevölkerung gegenüber dem serbischen Volksteil zu überwinden. Einigkeit herrschte aber auch darin, dass dieser Prozess der Annäherung Zeit braucht. Wenn dabei überwiegend von zwei bis drei Generationen gesprochen wird, scheint dies keine Fehleinschätzung zu sein.
Claus Bernhold
Stellvertretender Landesvorsitzender