Der 10. Deutsche Seniorentag und die begleitende Messe SenNova finden unter dem Motto "Ja zum Alter!" vom 3. bis 5. Mai 2012 im Congress Center Hamburg statt.
Näheres und Informatives finden Sie unter dem Link "Ja zum Alter!" unten auf dieser Seite im Anschluß an diesen Bericht.
JA zum Alter!
Erklärung der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen
(BAGSO) und ihrer 110 Mitgliedsorganisationen zum Abschluss des
10. Deutschen Seniorentages
„Hamburger Erklärung“
Die in der BAGSO zusammengeschlossenen Organisationen setzen sich für ein selbstbestimmtes, aktives und engagiertes Älterwerden in sozialer Sicherheit ein.
Sie sind überzeugt, dass die Teilhabe älterer Menschen dem Einzelnen, aber auch
der gesamten Gesellschaft zugutekommt. In einer Gesellschaft, die nicht nur älter
wird, sondern auch schrumpft und „bunter“ wird, kann die von vielen Älteren praktizierte
Solidarität mit allen Generationen Vorbild sein. Sagen wir also JA zu einem
Älterwerden in einer Gesellschaft für alle!
Wir leben in einer Gesellschaft des langen Lebens. Der demografische Wandel bedeutet
Herausforderung und Chance – für den Einzelnen und für die Gesellschaft. Die in der
BAGSO zusammengeschlossenen Organisationen setzen sich für ein aktives Altern ein
und wenden sich entschieden gegen den „Anti-aging“ Trend in unserer Gesellschaft. Das
Alter ist durch eine Fülle von unterschiedlichen Lebensformen und Lebensstilen gekennzeichnet.
Das kalendarische Alter sagt wenig über einen Menschen aus.
Freuen wir uns über die zunehmende Lebenserwartung und versuchen alles dafür zu tun,
dass die gewonnenen Jahre auch zu erfüllten Jahren werden. Dazu ist jede und jeder Einzelne
von uns aufgerufen, aber auch die Gesellschaft ist in vieler Hinsicht gefordert. Sagen
wir JA zum Älterwerden und sagen wir bewusst auch JA zum Alter!
JA zu einem möglichst gesunden Älterwerden
Die Lebenserwartung ist in den letzten 50 Jahren enorm gestiegen. Dazu haben neue Erkenntnisse
und Entwicklungen in Medizin, Medizintechnik und Pharmakologie wie auch ein
gesundheitsbewussterer Lebensstil beigetragen. Wir wissen heute: Alter ist keine Krankheit,
doch die Wahrscheinlichkeit, krank zu werden, steigt mit zunehmendem Alter. Eigenverantwortung
ist gefordert und zwar ein Leben lang. Körperliche, geistige und soziale Aktivitäten
tragen neben einer ausgewogenen Ernährung zu einem möglichst gesunden Älterwerden
bei. Politik, Kommunen und Unternehmen müssen Rahmenbedingungen schaffen
und entsprechende Angebote fördern.
Prävention und Rehabilitation sind in allen Lebensphasen möglich und sinnvoll, auch bei
chronischer Erkrankung, Behinderung oder Pflegebedürftigkeit. Deshalb fordern wir den
Ausbau aller Formen von Prävention, auch für Bewohnerinnen und Bewohner von Altenund
Pflegeheimen, auch für demenziell Erkrankte. Die Grundsätze „Prävention vor Rehabilitation“
und „Rehabilitation vor Pflege“ müssen in die Realität umgesetzt und um den
Grundsatz „Prävention und Rehabilitation bei Pflege“ erweitert werden.
Wir brauchen ein neues Verständnis von Pflege, das die Selbstbestimmung pflegebedürftiger
Menschen und ihre gesellschaftliche Teilhabe in den Vordergrund stellt.
Ein schonender Umgang mit den Ressourcen unseres Gesundheitssystems liegt im Interesse
aller. Mit Nachdruck wenden wir uns jedoch gegen jede, auch verdeckte Form von
Rationierung medizinischer Leistungen. Wir setzen uns für eine Stärkung von Patientenrechten
sowie für die Verbesserung der Beratungs- und Behandlungsqualität ein.
JA zu einem lebenslangen Lernen
Wir müssen heute lernend altern und Altern lernen. Die Bereitschaft zum lebenslangen
Lernen ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für ein erfolgreiches Älterwerden. Das
betrifft die beruflichen Fähigkeiten und Fertigkeiten ebenso wie außerberufliche Kompetenzen.
Berufsbezogene Weiterbildung ist als Teil eines umfassenden betrieblichen „Alternsmanagements“
neben betrieblicher Gesundheitsfürsorge eine wesentliche Voraussetzung für
eine längere Berufstätigkeit. Unverzichtbar ist die Anpassung des Arbeitsplatzes an die
Beschäftigten. In diesem Zusammenhang fordern wir familienfreundliche Arbeitsplätze, die
eine Vereinbarkeit der Berufstätigkeit sowohl mit der Kindererziehung als auch mit der
Pflege ermöglichen. Dies erfordert eine größere Flexibilität im Arbeitsleben und beim
Übergang in die nachberufliche Zeit.
Lernen ist ein lebenslanger Prozess, in dem wir täglich neue Erfahrungen sammeln und
unser Verhalten ändern. Wir sollten gegenüber Neuem aufgeschlossen sein und neugierig
bleiben. Ein selbstständiges und selbstbestimmtes Leben ohne moderne Informationsund
Kommunikationstechnologie ist heute immer schwerer möglich. Bildungseinrichtungen,
Vereine und Verbände können ältere Menschen unterstützen, mit den technischen
Entwicklungen Schritt zu halten.
JA zu einem engagierten Alter
Nach dem Ende der Berufstätigkeit haben viele Menschen oft noch ein Viertel ihres Lebens
vor sich, einen großen Teil davon bei relativ guter Gesundheit. Viele Ältere übernehmen
Aufgaben innerhalb und außerhalb ihrer Familie und tun damit nicht nur etwas für
andere, sondern auch für sich selbst.
In der Familie stehen sie den Kindern bei, indem sie die Enkel betreuen, oder sie sorgen
für Angehörige. Um die Solidarität in Familien gerade bei länger andauernder Pflege nicht
zu überfordern, braucht es flächendeckende Entlastungsangebote für pflegende Angehörige,
wie z.B. Unterstützung durch ehrenamtliche Pflegebegleitung, sowie wirksame Maßnahmen
zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege.
Viele Seniorinnen und Senioren engagieren sich zudem im sozialen, kulturellen oder kirchlichen
Bereich, in Politik, Verbänden und Gewerkschaften, im Sport, in Selbsthilfegruppen
oder projektbezogenen Initiativen. Auch den sozialen Nahraum wollen ältere Menschen
mitgestalten. Der Wunsch nach Mitverantwortung, Selbstbestimmung und Partizipation
sind dabei die Triebfedern für ihr bürgerschaftliches Engagement.
Die Politik ist gefordert, Rahmenbedingungen für ein solches Engagement zu schaffen und
diese den sich ändernden Bedürfnissen, gerade auch älterer Menschen, anzupassen. Das
freiwillige Engagement darf jedoch nicht instrumentalisiert werden und zu einer Verdrängung
von Erwerbsarbeit führen. Eine Verpflichtung zum Engagement lehnen wir ab.
JA zu einer Gesellschaft des Miteinanders
Die Herausforderungen, die das Älterwerden für Einzelne und die Gesellschaft mit sich
bringt, können nur gemeinsam bewältigt werden. Dies verlangt eine gelebte Solidarität
zwischen Jung und Alt, zwischen Reich und Arm, zwischen Menschen mit und ohne Behinderung,
zwischen Menschen unterschiedlichen Glaubens oder verschiedener Kulturen.
Eine solche Solidarität kann nicht verordnet werden. Sie erwächst aus gegenseitigem Verständnis,
Toleranz und der Fähigkeit, sich in die Lebenssituation anderer einzufühlen. Solidarität
kann sich daher nicht durch ein Nebeneinander, sondern nur durch ein Miteinander
entwickeln.
Staat und Gesellschaft müssen Voraussetzungen und Rahmenbedingungen dafür schaffen,
dass alle Bürgerinnen und Bürger selbstständig, selbstbestimmt und gleichberechtigt
am Leben der Gesellschaft teilhaben können. Alle sind aufgefordert dazu beizutragen,
Barrieren abzubauen, damit die „eine Gesellschaft für alle“ Wirklichkeit werden kann.
JA zu einem selbstbestimmten Wohnen
Die große Mehrheit älterer Menschen wünscht sich, möglichst lange in den eigenen vier
Wänden und der ihnen vertrauten Umgebung wohnen zu bleiben. Deshalb ist es eine vorrangige
Aufgabe der Politik, den altersgerechten Umbau sowie den barrierefreien Neubau
von Häusern und Wohnungen zu fördern und dafür zu sorgen, dass das Wohnen im eigenen
Quartier bezahlbar bleibt.
Neue Formen des gemeinschaftlichen Wohnens gewinnen an Bedeutung. Für die einen
mag die Haus- oder Wohngemeinschaft Gleichaltriger das Richtige sein, andere ziehen
das Mehr-Generationen-Wohnen vor. Auch für Pflegebedürftige, vor allem für Menschen
mit Demenz, können Wohngemeinschaften die Lebensqualität positiv beeinflussen.
Darüber hinaus muss die Vernetzung von sozialen Dienstleistungen mit Strukturen des
freiwilligen Engagements und der Nachbarschaftshilfe gefördert werden.
Auch das Wohnumfeld, der Verkehrsraum und öffentlich zugängliche Gebäude müssen
barrierefrei gestaltet werden. Neben einer guten Nahversorgung muss es ausreichend Angebote
in den Bereichen Kultur, Sport, Bildung und Begegnung geben. Seniorengerecht
heißt menschengerecht; wir brauchen „eine Stadt für alle Lebensalter“.
JA zu einem Alter in sozialer Sicherheit
Für die meisten Rentnerinnen und Rentner haben funktionierende Sozialsysteme bisher
für angemessene Alterseinkommen gesorgt. Von Altersarmut waren in der Vergangenheit
– und sind auch heute noch – vor allem allein stehende Frauen betroffen. Die soziale Sicherheit
im Alter ist eine grundlegende Voraussetzung dafür, dass sich ältere Menschen
auch künftig freiwillig engagieren können. Und auch die Möglichkeiten, Verantwortung für
die eigene Lebensgestaltung zu übernehmen oder eine altersgerechte Wohnumgebung zu
schaffen, stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit der sozialen Lage der Einzelnen.
Mit großer Sorge betrachten die in der BAGSO zusammengeschlossenen Organisationen
daher den eingeleiteten Umbau dieser bislang verlässlichen sozialen Sicherungssysteme.
Vor allem die Einschnitte in das Alterssicherungssystem sind alarmierend. So wird ein
Durchschnittseinkommen künftig nach 35 Beitragsjahren gerade einmal einen Rentenanspruch
in Höhe der sogenannten Grundsicherung im Alter ergeben. Diese dramatische
Absenkung muss, vor allem im Interesse künftiger Rentnergenerationen, gestoppt werden,
da betriebliche und private Altersvorsorge nicht für alle zugänglich bzw. erschwinglich
sind.
Dringend notwendig sind auch Korrekturen am Arbeitsmarkt. Niedriglöhne, Arbeitslosigkeit,
unstete Beschäftigungsverhältnisse und Erwerbsminderung nehmen vielen Menschen
die Chance auf eine auskömmliche Altersrente.
Gesundheit und Pflege müssen für alle, auch für die Seniorinnen und Senioren von morgen und übermorgen, bezahlbar bleiben.
JA zu einem würdevollen Sterben
Ein „Ja zum Alter!“ schließt die Auseinandersetzung mit dem Lebensende ein. Das Sterben
gehört zum Leben. Es aus dem eigenen Leben zu verdrängen, verhindert auch einen
achtungsvollen Umgang mit dem Sterben anderer.
Eine aktive Sterbehilfe lehnen wir ab. Die Bereitschaft, Schwerkranken und Sterbenden,
aber auch deren Angehörigen beizustehen, ist zu unterstützen. Die Förderung dieses –
häufig ehrenamtlichen – Dienstes muss intensiviert werden, z. B. durch Qualifizierung,
Hilfestellung und Begleitung. Deshalb sind Palliativmedizin und Palliativpflege flächendeckend
auszubauen, ebenso die Hospizdienste.